Vielerlei Assoziationen (5)

Ein heimatloser Aramäer

Alle Himbeerhänge nannte er zur Erntezeit sein eigen.
Auf fremder Leute Weidegrund war er vertraut
mit den Pfifferlingsplätzen unter den Schwarzwaldtannen.
Frisches Quellwasser konnte er riechen.
Sein siebter Sinn machte ihn fündig, brachte ihn
auch auf nie gegangenen Wegen zum Ziel seiner Sehnsucht.
Ein heimatloser Aramäer – mein Vater –
sein Sehnsuchtsort – Wurzelgrund für seine Kinder.
Ganz nah sollten sie wohnen bei dem, der mit ihm zog.

23. Mai 2016

Packen, den Nächsten

Packen, am Ärmel,
den Nächsten, den neben mir
in der Straßenbahn,
zufällig den; ihn festhalten,
ihm alles anvertrauen,
den Murks meines Lebens,
einfach weil er da ist, der Nächste,
in der Straßenbahn
soll er mich erhören,
meinen Ruf nach Nähe, nach Verständnis.
Er soll mich hören!
Damit ich gehört bin.
Reißt sich los, zerreißt gewaltsam
die Verbindung, flieht hinaus
in den Regen.
Lieber eine Bahn später
als mit mir.
Einsam, wie er so dasteht im Regen,
fast möcht ich ihn trösten,
der eben mein Nächster
zu werden nicht wagte.

11. Mai 2015

Reibungswärme

Reibung erzeugt Wärme.
Klar – manchmal koche ich vor Wut.
Aber manchmal, zart, möcht ich
den Arm um Dich legen
und sagen: Glaub mir
gegen allen Augenschein -‚
ich will dir gut.

Nein, ich verstehe dich nicht,
im allertiefsten bist du mir fremd.
Aber die Wärme,
die aus unserer Reibung entsteht
macht die Welt wärmer.

11. Mai 2015

treu ist die Rose nicht

treu ist die rose nicht
es frisst sie frost und laus,
treu ist das unkraut wohl,
es bleibt, reiss ich´s auch aus.
doch singt der rose lob
manch treffliches gedicht,
des kleinen zähen krauts
gedenkt man nicht

19. Februar 2015

Wenn

Wenn
ich
springe,
springe
ich.
Wenn
ich
nicht
springe,
springe
ich
nicht.
Wer,
wenn
nicht
ich,
wägt
das
Wenn?

17. Februar 2015

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