Murren (4)

Kleine Wunden

Kleine Wunden
wir verwahren
unvergessen noch
nach Jahren.

Große Wunder
rasch vergessen
kaum das Manna aufgegessen.

Müssensdruck

Wenn ich einmal alles getan
was ich tun muss,
dann ist endlich,
und sei es  kurzzeitig,
mit dem Müssen Schluß,
möchte man meinen,
doch mir will scheinen,
verständlich
ist jener Verdruss,
dass diese Frist
niemals ist,
da niemals alles  getan,
steht wieder was an
das ich muss.
Frust!
Schluß!

9. Juli 2016

Meinen Mißmut

Ich füttere meinen Mißmut
mit kleinen Brocken aufgewärmter  Kränkungen,
notfalls auch mal mit schlechtem Wetter
und dem leichten Ziehen in meiner Zwirbelsäue,
beginnender Bandscheibenzerfall;
Schmerzliche Bettlägrigkeit vorrausahnend,
labe ich mich an der Vorstellung all dessen,
was noch schlimmer hätte kommen können,
verquerer Pseudotrost im Konjunktiv.

„Bitte kannst du mir deine Unfälle erzählen?“,
fordert das Kind zum wievielten Male?
„Welche?“ „Alle!“ Da wird´s behaglich!

13. Juni 2016

I

Dein Unmut über den Anderen
in meine Herzkammer gesät
wartet – harrt.
Von meinem Unmut genährt
wächst – blüht auf
Unfriede.

II

Du irrst!
aber vielleicht
ist doch ein Kern Wahrheit
in dem, was du murrst?

Setze ich deine Nebelbrille auf
scheint mir: Du hast recht!

III

Der Anlass für dein Murren ist weg.
Und ich? Wann entmurrst du mich?

IV

Dein Murren
in mein Ohr
macht dich nicht frei.

Lass es nicht wohnen
in deinem Bauch.
Wirf die Nebelbrille weg.
Vielleicht
schafft ein liebevoller Blick
VERÄNDERUNG.

1. Juni 2013

2 Gedanken zu „Murren (4)“

  1. Mir scheint, der Unterschied zwischen murren und klagen – die Klage zielt entweder auf Veränderung der Situation oder auf Annahme und Stand finden in ihr, wenn Änderung unmöglich schein.
    Murren hingegen – ich habe einmal eine Definition von schmoren gelernt, die gut dazu passt: „Schmoren ist garen im eigenen Saft unter Zugabe von wenig Flüssigkeit.“
    Man kann ja auch vor sich hin murren, während die Klage ein Ohr braucht.

  2. Und statt zu murren, klagen? Einem anderen sein Leid? Wie in den Klagepsalmen? Denn: Setzt einander die Lasten tragen nicht ein Mindestmaß an Wissen um die gegenseitige Not voraus? Oder doch alles umleiten und IHM zu Füßen legen? Der liebevolle Blick, zu IHM erhoben, hebt?

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