{"id":3374,"date":"2016-07-16T13:54:09","date_gmt":"2016-07-16T12:54:09","guid":{"rendered":"http:\/\/luise-marcks.de\/?page_id=3374"},"modified":"2019-04-25T08:58:38","modified_gmt":"2019-04-25T07:58:38","slug":"ein-hauswesen-lieben","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/luise-marcks.de\/?page_id=3374","title":{"rendered":"H\u00e4usliches (3)"},"content":{"rendered":"<h4><em>Dachboden, nach oben offen&#8230;<\/em><\/h4>\n<p>\u00dcberall war etwas abgestellt, vollgestellt, zugestellt<br \/>\noben auf dem Boden. Durchblick erhoffend,<br \/>\nwar er nach oben offen gegen unendlich,<br \/>\nwas nach so vielen Jahren, nur zu verst\u00e4ndlich.<br \/>\nDenn alles was war wird mehr Jahr f\u00fcr Jahr.<br \/>\nWir wollens bewahren, geordnet nach Jahren.<br \/>\nAll diese Schriften, die wir heute nicht lesen,<br \/>\nwerden wohl wertvoll, weil es einstmals gewesen?<br \/>\nNur gut sortieren, nur nichts verlieren.<br \/>\nIn Koffern und Kisten &#8211; es steht auf den Listen,<br \/>\nwas drinnen verwahrt. Kost\u00fcme und Taschen,<br \/>\nes ist kaum zu fassen. Lass jetzt mich probieren<br \/>\ndie uralten Moden, den l\u00f6chrigen Loden.<br \/>\nNun gut, wir behaltens, nun gut, wir verwaltens,<br \/>\nIn Kisten und Koffern, Bilder und B\u00fccher,<br \/>\nM\u00e4ntel und T\u00fccher, Klamotten, Motten, einstige Moden.<br \/>\nErhalten, das Wahre, Gute und Sch\u00f6ne,<br \/>\nunvollendete Pl\u00e4ne, Entw\u00fcrfe und Skizzen,<br \/>\nStaub in den Ritzen, husten und schwitzen.<br \/>\nWer soll es erhalten? Wie es verwalten?<br \/>\nDie, die die Sch\u00e4tze nicht sch\u00e4tzen,<br \/>\nverscherzen das Wahre, erhalten die Motten,<br \/>\nKlamotten und Moden, B\u00fccher und Schriften,<br \/>\nblo\u00df nichts vernichten.<br \/>\nUnd auch nicht lesen, was einstens gewesen.<br \/>\nDazu fehlt Zeit uns das rechte Geleit.<br \/>\nAufbewahren, geordnet nach Jahren, alles was war.<br \/>\nB\u00fcndeln, verpacken, Hosen und Jacken,<br \/>\nNicht zu erkennen, wie soll man das nennen.<br \/>\nTrug man einst Mieder? Gr\u00e4\u00dflich, wie bieder.<br \/>\nBiegt sich der Boden, Fuchsschwanz mit Pfoten,<br \/>\nM\u00e4ntel und Kragen, Pelz, eingeschlagen.<br \/>\nHalten, erhalten, sorgsam zu Walten.<br \/>\nBretter sich biegen unter Kontoausz\u00fcgen,<br \/>\ndazwischen die Fliegen.<br \/>\nAlles bleibt liegen. Weiter bewahren,<br \/>\nWert steigt nach Jahren, oder auch nicht.<br \/>\nWer kann es wissen bei all den Krisen.<br \/>\nTschi &#8211; ich muss nie\u00dfen. So ein verstaubtes Gedicht.<\/p>\n<p>Ich bewahr\u00b4s nicht.<\/p>\n<p><em>12. Mai 2015<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Ein Hauswesen lieben<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Mit allen, die dereinst darin gelebt<br \/>\nund dereinst darin leben werden,<br \/>\ndie ihre Tagt\u00e4glichkeiten in die Dielen gruben,<br \/>\nderen Geistesblitze uns zucken machen &#8211;<br \/>\nmanchmal &#8211; und wir wissen nicht woher.<br \/>\n\u00dcber nie durchst\u00f6berte Winkel<br \/>\nRechenschaft ablegen, die hineinwirken<br \/>\nins geliebte Wesen.<br \/>\nDie Liebe &#8211; auch zum Dreck und den toten M\u00e4usen &#8211;<br \/>\nentbannt zur Gegenwart.<\/p>\n<p>Ein Hauswesen lieben,<br \/>\nneugierig auf die B\u00f6den unter dem Boden,<br \/>\ngewischt, gebohnert, begangen, vergangen.<br \/>\nIhm Wandelatem geben<br \/>\naus Freude.<\/p>\n<p><em>16. Juli 2016<\/em><\/p>\n<h4><em>Grauschleier<\/em><\/h4>\n<p>Woher kommt der Schleier<br \/>\n\u00fcber Leben und Licht,<br \/>\nder grau f\u00e4rbt und tr\u00fcbt?<br \/>\nNein, in den Ecken putzen wir nicht.<br \/>\nEs wird eh wieder dreckig,<br \/>\ndie G\u00e4ste, die Schuhe,<br \/>\nst\u00e4ndig st\u00f6rt jemand.<br \/>\nNie ist hier Ruhe.<\/p>\n<p>Tr\u00fcb liegt der Schleier<br \/>\n\u00fcber Leben und Licht,<br \/>\nes graut uns davor.<br \/>\nGemeinsam leuchten gelingt uns nicht.<br \/>\nJede m\u00fcht sich alleine,<br \/>\num G\u00e4ste, um Schuhe<br \/>\nund keiner w\u00fcrdigt<br \/>\nihr emsig Getue.<\/p>\n<p>Ach, entfern doch den Schleier<br \/>\nvon Leben und Licht,<br \/>\nlasst dein Strahlen uns sehn,<br \/>\ndas sich im Leuchten des Andern bricht.<br \/>\nSelbst das Putzen wird sch\u00f6n.<br \/>\nvoll W\u00fcrde und Ruhe,<br \/>\nDU bist zugegen<br \/>\nin G\u00e4sten und Schuhen.<\/p>\n<p><em>29. Februar 2016<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dachboden, nach oben offen&#8230; \u00dcberall war etwas abgestellt, vollgestellt, zugestellt oben auf dem Boden. Durchblick erhoffend, war er nach oben offen gegen unendlich, was nach so vielen Jahren, nur zu verst\u00e4ndlich. Denn alles was war wird mehr Jahr f\u00fcr Jahr. Wir wollens bewahren, geordnet nach Jahren. 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