{"id":55,"date":"2013-05-04T16:14:36","date_gmt":"2013-05-04T14:14:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.martinaminges.eu\/luiseMarcks\/?page_id=55"},"modified":"2021-08-19T21:33:53","modified_gmt":"2021-08-19T20:33:53","slug":"zu-meiner-person","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/luise-marcks.de\/?page_id=55","title":{"rendered":"Zur Autorin (9)"},"content":{"rendered":"<h4><em>selbstverst\u00e4ndlich<\/em><\/h4>\n<p>Ich bin nicht verst\u00e4ndlich &#8211;<br \/>jedenfalls nicht selbstverst\u00e4ndlich.<br \/>Nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, dass ich bin.<br \/>Ohne mein Herkommen ist mein Dasein<br \/>unverst\u00e4ndlich.<br \/>Sein setzt\u00a0 Gewordensein vorraus.<br \/>Aufgekl\u00e4rt, aus dem Bauch heraus, w\u00fcrde ich sagen,<br \/>ist das wirklich so klar &#8211; dass gerade ich aus dem Bauch heraus&#8230;<br \/>Und dann hier?<br \/>Verstehen Sie ihr Dasein? Heute?<\/p>\n<p><em>12. Mai 2015<\/em><\/p>\n<h4>Pseudonym<\/h4>\n<p>Der Versuch, die Worte<br \/>von ihrem Verursacher zu trennen.<br \/>Sich hinter ihnen zu verstecken.<\/p>\n<p>Schreiben wie ein Anderer<br \/>kann nur ein Anderer.<\/p>\n<p><em>4. Mai 2013<\/em><\/p>\n<h4>\u00a0Zust\u00e4nde<\/h4>\n<p>Wenn Mutter Zust\u00e4nde hatte<br \/>f\u00fchlte ich mich zust\u00e4ndig,<br \/>kochte Grassuppe<br \/>half nicht &#8211; aber so war ich aufger\u00e4umt.<br \/>Sp\u00e4ter selbergro\u00df<br \/>bekam ich keine<br \/>Zust\u00e4nde.<br \/>Nur Zuspr\u00fcnge (und Zulagen)<br \/>Sprang &#8211; sch\u00f6pferisch<br \/>Lag &#8211; ersch\u00f6pft.<\/p>\n<p>Das erschwert<br \/>die Standfindung<br \/>bis heute.<br \/>Koche Spinatsuppe<br \/>bin unaufger\u00e4umt.<\/p>\n<p><em>4. Mai 2013<\/em><\/p>\n<h4><em>selbstkontrolle<\/em><\/h4>\n<p>normalerweise<br \/>kontrolliere ich mich nicht<br \/>ich lasse mich gehen<br \/>es geht mir gut damit<br \/>der schreck<br \/>wenn durchgehn die nerven:<\/p>\n<p>ich hab die kontrolle nicht<\/p>\n<p><em>14. Mai 2013<\/em><\/p>\n<h4><em>Unfreiwilliger Reisegenosse<\/em><\/h4>\n<p>Fort wollt ich, fort &#8211; woanderst &#8211; neu,<br \/>fuhr stundenlang und dachte, dort<br \/>&#8211; wie\u00a0ich mich\u00a0freu. Wer Anders sein!<br \/>Dort werde\u00a0ich ganz neu.<\/p>\n<p>Ich hatte fremde Kleider eingepackt,<br \/>Kombinationen, die ich zu Haus nie trage &#8211;<br \/>in einen Koffer, nicht in einen Sack:<br \/>Das andere Ich ist ordentlich,\u00a0 ohne\u00a0Frage.<\/p>\n<p>Doch zu dem Koffer kam noch eine Tasche<br \/>und ein Getr\u00e4nk, Obst, Kekse, Schokolade.<br \/>Die kleine Tasche hat es mir vermasselt.<br \/>Kekskr\u00fcmelbrei &#8211; das alte Ich &#8211; wie schade!<\/p>\n<p><em>13. Oktober 2013<\/em><\/p>\n<h4><em>Raumgreifend<\/em><\/h4>\n<p>Zu schnell,<br \/>zu laut,<br \/>zu zupackend,<br \/>zu viel redend,<br \/>zu raumgreifend.<\/p>\n<p>Jedenfalls liebe ich mich selbst.<br \/>Also ist\u00a0eine Chance<br \/>zur N\u00e4chstenliebe<br \/>vorhanden.<\/p>\n<p><em>16. April 2014<\/em><\/p>\n<h4><em>Sozusagen grundlos betr\u00fcbt<\/em><\/h4>\n<p>(<em>in Anlehnung an &#8222;Sozusagen grundlos vergn\u00fcgt&#8220; von Mascha Kal\u00e9ko)<\/em><\/p>\n<p>Mich dr\u00fcckt der Tag, kaum hebe ich die Decke,<br \/>Die Luft so schwer, die Herzenskammer eng,<br \/>Der Wecker schrillt. Ich werf ihn in die Ecke.<br \/>Der Pulli kratzt, ich in die Schuh mich zw\u00e4ng,<br \/>Ist alles bitter, alles grau und tr\u00fcb,<br \/>In dieser Welt, die ich noch gestern liebt.<br \/>Wozu dies Leben jeden Tag vollf\u00fchren?<br \/>Ich stehe auf aus purem Funktionieren.<\/p>\n<p>Mich dr\u00fcckt der Schuh, der Tag, der Magen<br \/>Wie qu\u00e4l ich mich, des Tages Last zu tragen,<br \/>Kann einfach nicht entscheiden, wo beginnen,<br \/>Und tue nichts, und lass die Zeit verrinnen.<br \/>Der Druck nimmt durch das Nichtstun st\u00e4ndig zu.<br \/>&#8222;Ach, bitte, Leute, lasst mich halt in Ruh!<br \/>Der Tag geht einfach \u00fcber meine Kraft.<br \/>Mein ganzes Leben hab ich nichts geschafft!&#8220;<\/p>\n<p>Was fehlt mir nur, wo ich doch alles habe,<br \/>Selbst Menschen, die mich so verstimmt ertragen?<br \/>Ach, tr\u00e4fe ich auf eine K\u00fcchenschabe,<br \/>Dann h\u00e4tt ich endlich einen Grund zu klagen.<br \/>Mir fehlt ein guter Grund betr\u00fcbt zu sein.<br \/>Ich f\u00fchl mich unter euch heut so allein!<br \/>Mich dr\u00fcckt der Tag, der Schuh, der Magen.<br \/>Am allerliebsten w\u00fcrd ich jemand schlagen.<br \/>Doch auch das Schlagen g\u00e4be keinen Sinn:<br \/>Bin so betr\u00fcbt&#8230;\u00a0 weil ich betr\u00fcbt heut bin.<\/p>\n<p><em>7. Februar 2015<\/em><\/p>\n<h4><em>Bunte T\u00fccher<\/em><\/h4>\n<p>Ich trage bunte T\u00fccher gern<br \/>um Kopf und Hals und Kragen.<br \/>S\u00b4ist meine Art auf diesem Stern<br \/>f\u00fcr Wandlung Dank zu sagen.<\/p>\n<p>Sie w\u00e4rmen mich und k\u00fchlen mich,<br \/>sie zieren und verh\u00fcllen mich.<br \/>Mal sind sie farblich Kontrapunkt,<br \/>mal pure Harmonie.<br \/>Ihr Bestes ist &#8211; sie\u00a0 lenken ab<br \/>und daf\u00fcr lieb ich sie.<br \/><em>9. September 2017<\/em><\/p>\n<h4><em>Ich rufe den Mond<\/em><\/h4>\n<p>Ich rufe den Mond.<br \/>Ohne Telefon.<br \/>Der ist da, nachts,<br \/>wenn nur noch<br \/>Automaten<br \/>Abwesenheiten<br \/>ansagen.<\/p>\n<p>Ich rufe den Mond.<br \/>Ohne Antwort.<br \/>Er ist da, nachts,<br \/>wenn mein Alleinsein<br \/>die Sehnsucht nach Nichtsein<br \/>weckt im Lampenschein.<\/p>\n<p>Ich rufe den Mond<br \/>ohne Telefon, ohne Antwort.<br \/>Fern ist der Mond<br \/>zwischen Schein und Nichtschein,<br \/>da und nicht da, wie ich<br \/>mir fern und mir nah.<\/p>\n<p>Trost, Trost<br \/>spricht der Mond<br \/>ohne Antwort, ohne Telefon<br \/>durch den Schein<br \/>seines Daseins<br \/>in mein Leersein.<\/p>\n<p><em>24. M\u00e4rz 2018<\/em><\/p>\n<h4><strong><em>Immer<\/em><\/strong><\/h4>\n<p>Immer wieder verliere ich den Kalender.<br \/>Auch wenn ich nicht wei\u00df wie sp\u00e4t es ist,<br \/>holt mich die Gegenwart ein.<br \/>Auf der Schwelle des guten Wollens.<br \/>Im Ersehnen des treffenden Wortes.<br \/>Klarheit zum Greifen nah<br \/>entfleucht, w\u00e4hrend ich den Kalender suche,<br \/>in dem auch nicht steht, <br \/>was ich gerade, beinahe begriff.<\/p>\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><em><br><\/em><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>selbstverst\u00e4ndlich Ich bin nicht verst\u00e4ndlich &#8211;jedenfalls nicht selbstverst\u00e4ndlich.Nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, dass ich bin.Ohne mein Herkommen ist mein Daseinunverst\u00e4ndlich.Sein setzt\u00a0 Gewordensein vorraus.Aufgekl\u00e4rt, aus dem Bauch heraus, w\u00fcrde ich sagen,ist das wirklich so klar &#8211; dass gerade ich aus dem Bauch heraus&#8230;Und dann hier?Verstehen Sie ihr Dasein? Heute? 12. 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