{"id":2839,"date":"2015-10-18T14:15:31","date_gmt":"2015-10-18T13:15:31","guid":{"rendered":"http:\/\/luise-marcks.de\/?p=2839"},"modified":"2015-10-29T17:42:22","modified_gmt":"2015-10-29T16:42:22","slug":"der-wachsame-samuel-und-der-schlafende-thomas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/luise-marcks.de\/?p=2839","title":{"rendered":"2. Krippengeschichte"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Wie Samuel vom Verlangen gepackt wird<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Samuel war ein kleiner j\u00fcdischer Bub. Er war der j\u00fcngste in seiner Familie. Die \u00e4lteren Geschwister waren schon verheiratet und hatten eigene Familien. Doch als seine Br\u00fcder jung gewesen waren, durften sie alle f\u00fcr eine Zeit mit Onkel Augustin zum Schafe h\u00fcten auf die Weiden. Das endlich auch zu d\u00fcrfen war ein ganz gro\u00dfer Wunsch von Samuel, denn es war f\u00fcr ihn gar nicht so einfach ein kleiner j\u00fcdischer Bub zu sein. Das bedeutete n\u00e4mlich, dass der in die Sederschule gehen musste. Jeden Tag viele Stunden. Es war nicht so, dass er ungern lernte. Aber dass man dabei die ganze Zeit sitzen musste konnte Samuel nicht verstehen. Gott, der die Menschen sinnvoll erschaffen hatte, hatte ihnen so viele Gelenke gegeben. Konnte es wirklich sein Wille sein, dass kleine Buben stundenlang sitzen?<\/p>\n<p>Jedenfalls hatte Samuel nach jedem Schultag einen so starken Drang sich zu bewegen, zu turnen, zu rennen und zu klettern. Und er hatte Talent. Aber gerade dieses abenteuerliche Talent \u00e4ngstigte seine Mutter sehr. War er doch schon zweimal schwer gest\u00fcrzt. Daran dachte die Mutter vor allem, wenn Onkel Augustin wieder fragte, wann er den Knaben einmal mitnehmen k\u00f6nne. Und darum wurde dieser Zeitpunkt immer wieder verschoben.<\/p>\n<p>Von seinem Vater lernte Samuel viel \u00fcber seine Religion. Morgens beteten sie zusammen das \u201eH\u00f6re Israel\u201c. Und er schaute dem Vater ab, wie man vor der Mahlzeit die H\u00e4nde wusch. Was am Sabbat erlaubt und verboten war. Einfach war das f\u00fcr Samuel nicht, nur die vorgeschriebene Zahl an Schritten zu gehen. Aber er war guten Willens, sich an die Gebote zu halten.<\/p>\n<p>Dass Samuel den Wunsch mit dem Schafe h\u00fcten nicht verga\u00df, lag wohl auch an dem Abendgebet, dass seine Mutter t\u00e4glich mit ihm sprach. Es war ein Psalm:<\/p>\n<p>Mein Hirte ist der Herr,<br \/>\nnichts kann mir fehlen.<br \/>\nEr l\u00e4sst mich rasten auf gr\u00fcner Weide.<br \/>\nEr stillt mein Verlangen.<\/p>\n<p>Nach dem Psalm hatte ihn seine Mutter gelehrt, sollte er noch pers\u00f6nlich mit Gott sprechen. Und weil es Samuel gar nicht so leicht viel jeden Tag etwas zu finden, sprach er meistens, dass er so gerne mit Onkel Augustin zum Schafe h\u00fcten wollte. Zur Sicherheit sagte er das nicht nur Gott, sondern auch seiner Mutter. Aber beides half wohl nicht.<\/p>\n<p>\u201eEin Verlangen ist etwas viel gr\u00f6\u00dferes als ein Wunsch\u201c, erkl\u00e4rte ihm seine Mutter, als er einmal seine Entt\u00e4uschung kund tat, dass Gott ihm die Erf\u00fcllung seines Wunsches nicht gew\u00e4hrte. War Gott etwa auch so vergesslich wie Samuel, dass er die kleinen Dinge schnell verga\u00df? Jedenfalls dachte Samuel dar\u00fcber nach, aber er fand nichts in sich was gr\u00f6\u00dfer war als ein Wunsch.<br \/>\nHeute hatten sie in der Sederschule gelernt, dass f\u00fcr Gott tausend Jahre sind, wie ein Tag. Samuel h\u00e4tte gerne gewusst welcher Tag dann bei Gott gerade sei. Es war Sabbat gewesen, als er mit der Erschaffung der Welt fertig war. Aber wie viele Tage waren seither vergangen? Vor tausend Jahren hatte Gott jedenfalls mit dem Propheten Samuel gesprochen. Das war f\u00fcr ihn also gestern.<\/p>\n<p>\u201eSamuel, was ist los mit dir? Willst du heute nicht nach Hause?\u201c, fragte der Lehrer \u00fcberrascht. Tats\u00e4chlich waren die anderen Sch\u00fcler schon aufgebrochen und er war so vertieft in seine Berechnungen gewesen, dass er es nicht einmal gemerkt hatte. Samuel sauste los. Aber er fand seine Kameraden nicht.<\/p>\n<p>Allerdings hatte er so einen Schwung, dass er sich nach etwas umsah, worauf man klettern konnte. Und obwohl es sinnlos war, weil noch niemand an dem langen, glatten Stamm nach oben gekommen war, versuchte er, auf die hohe Palme vor dem Haus seiner Familie zu klettern. Er rechnete fest, nach einer bestimmten Zeit wieder herunter zu gleiten. Doch heute zog es ihn mit so einer Kraft nach oben, dass er es tats\u00e4chlich schaffte bis ganz oben.<br \/>\nSo hoch war er noch nie gewesen. Wie klein sahen die Menschen da unten aus. Wie fern er ihnen war und wie nahe. Dort liefen ja seine Schulkameraden. Er pfiff. Sei drehten sich herum, aber niemand schaute hinauf. Seltsam. Ob es f\u00fcr Gott auch so war. Er schaute von seinem Thronsitz nieder und niemand schaute hinauf? Das er da war, ganz nah. Dass er mit den Menschen sein wollte. Und sie merkten es einfach nicht? Irgendwie wurde sein Herz von dieser Frage ergriffen. ER, der wie ein Hirte \u00fcber sein Volk wachte \u2013 wann dachte er schon an ihn. Selbst die Segensspr\u00fcche murmelte er oft nur aus Gewohnheit. Und jetzt pl\u00f6tzlich sehnte er sich so die Stimme Gottes zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Da sah er unten seine Mutter vor die T\u00fcr gehen. Wohin sie wohl unterwegs war? Jetzt konnte er sie unbemerkt beobachten. Das dachte Samuel, als er sie aufschreien h\u00f6rte: \u201eKind, bist du verr\u00fcckt geworden. Komm sofort da herunter. Sei vorsichtig Samuel. Langsam!\u201c Schon war der Schreck und die Wut der Sorge gewichen.<\/p>\n<p>Samuel wunderte sich. Herunter war doch gar nicht so schwer f\u00fcr einen Klettermeister wie ihn. Dann bekam er doch ein paar Schrammen am Knie \u2013 nichts Aufregendes, fand er. Und seine Mutter herzte und schimpfte ihn abwechselnd.<br \/>\nSo gerne h\u00e4tte Samuel ihr von dem besonderen Gef\u00fchl erz\u00e4hlt, was ihn oben auf dem Baum ergriffen hatte. Aber es war kein g\u00fcnstiger Moment.<\/p>\n<p>Abends bekam Samuel auch noch einige Worte von seinem Vater zu h\u00f6ren, hatte er doch das Gebot nicht beachtet, Vater und Mutter zu ehren, indem er seiner Mutter einen solchen Schrecken eingejagt hatte. Dann holte der Vater auch noch die Schnapsflasche. Das w\u00fcrde auf den Schrammen brennen, aber daf\u00fcr w\u00fcrden sie dann gut heilen. W\u00e4hrend der Vater die wunden Knie anschaute fragte er: \u201eUnd du warst wirklich ganz oben?\u201c Die Bewunderung, die in seiner Stimme mitklang tat Samuel wohl. Er biss die Z\u00e4hne zusammen und ertrug die Wundreinigung wie ein Mann.<\/p>\n<p>Auch bei seinem Vater wusste Samuel nicht die rechten Worte ihm zu sagen, wie er oben auf dem Baum pl\u00f6tzlich verstanden hatte, dass Gott gesucht werden wollte.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Rest des Tages war Samuel nun so brav, wie er es eben konnte. Er wollte mit allen wieder gut sein, bevor die Nacht kam. Vielleicht verga\u00dfen sie ja, dass er auf die Palme geklettert war bis Onkel Augustin an Channukka wiederkam?<\/p>\n<p>Vor lauter Bravheit legte er sich sogar unaufgefordert auf die Strohmatte. Aber als seine Mutter das Nachtgebet sprechen wollte fragte er sie: \u201eMutter, warum hast du heute hinaufgeschaut auf den hohen Baum. So viele Leute sind vorbeigegangen und niemand hat mich bemerkt.\u201c Sie strich ihm durch das Haar. \u201eWeil ich einen Samuelsinn habe.\u201c \u201eEinen Samuelsinn?\u201c, fragte er verwundert. \u201eJa, das ist ein Sinn, mit dem man sp\u00fcrt, wenn jemand den man lieb hat in Gefahr ist. Ich war eigentlich gerade beim Brotfladen backen, als ich pl\u00f6tzlich nach dir schauen musste.\u201c<\/p>\n<p>Manchmal war Samuel die Sorge seiner Mutter l\u00e4stig gewesen, aber jetzt f\u00fchlte es sich ganz warm an. Aus Liebe hatte sie hinaufgeschaut.<\/p>\n<p>\u201eDort oben habe ich dar\u00fcber nachgedacht, wie es wohl f\u00fcr Gott ist. Wenn er unsichtbar da ist und niemand ihn bemerkt. Vielleicht gibt es ja auch so etwas, wie einen Gottessinn. Dann bemerkt man ihn, weil man ihn liebt.\u201c<\/p>\n<p>Noch einmal strich ihm die Mutter \u00fcbers Haar. Stand schweigend auf und ging. Sie hatte den Psalm noch nicht gesprochen, aber Samuel rief sie nicht. Denn es geschah mit ihm etwas ganz Seltsames. Er h\u00e4tte sp\u00e4ter niemandem sagen k\u00f6nnen wo es begann. Im Bauch? Oder in den Fingern\u00e4geln.<\/p>\n<p>Jedenfalls wurde Samuel von etwas ergriffen, was st\u00e4rker war als ein einfacher Wunsch. Er wurde von einem Verlangen ergriffen. \u201eDu sollst zu mir sprechen Gott\u201c, betete er. \u201eDu hast gestern zum Propheten Samuel gesprochen. Ich bitte dich \u2013 sprich heute mit mir. Entt\u00e4usche mich nicht, denn ich vertraue auf dich.\u201c Das war ihm auf einmal viel wichtiger, als mit Onkel Augustin Schafe h\u00fcten zu d\u00fcrfen. Wichtiger als am Wichtigsten. Ein Verlangen eben. Und Samuel schien es, als habe Gott dieses Verlangen in ihm geweckt, als er da oben sa\u00df auf der hohen Palme.<\/p>\n<p>Doch das Leben ging ganz normal weiter. Es gab nur manchmal ganz kleine, nahezu unsichtbare Momente, in denen Samuel den Eindruck gewann, dass etwas von seinem Verlangen anfanghaft gestillt wurde. Manchmal sah er die Welt, als w\u00e4re sie eben gerade neu f\u00fcr seine Augen geschaffen worden. Und das war ein bisschen wie die Stimme Gottes h\u00f6ren. Und manchmal verstand er ein bisschen mehr, was sein Vater meinte, der mit dem Begriff \u201eGottessinn\u201c nichts anfangen konnte, aber erkl\u00e4rte, dass man SEINE Stimme in der Schrift h\u00f6ren k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Channukka kam. Und damit auch Onkel Augustin. Er kam an dem Abend, an dem die letzte Kerze angez\u00fcndet wurde. Und er kam gleich zur Sache. Ob er nun endlich Samuel mitnehmen k\u00f6nne. Er brauche ihn wirklich, da sein Kollege erkrankt sei. Der m\u00fcsse jetzt sein gebrochenes Bein ruhig halten, damit es gut zusammenw\u00fcchse.<\/p>\n<p>Bei dieser Rede wurde Samuel unruhig. Warum musste Onkel Augustin seine Mutter an gef\u00e4hrliche Situationen erinnern. Jetzt w\u00fcrde sie bestimmt gleich wieder nein sagen.<\/p>\n<p>Doch dieses Mal war seine Mutter bereit ihn gehen zu lassen. \u201eAuf welchen Weiden seid ihr denn gerade?\u201c fragte sie Onkel Augustin. \u201eIn Bethlehem\u201c, antwortete er.<\/p>\n<p>\u201eNach Bethlehem, nach Bethlehem!\u201c jubelte Samuel, als er begriff, dass er dieses Mal den Onkel begleiten durfte. Dann sagte er zu Onkel Augustin: \u201eDu musst wirklich gut auf mich aufpassen, den meine Mutter hat einen Samuelsinn. Sie merkt auch in der Ferne, wenn ich in Gefahr bin.\u201c Und bei sich dachte er: \u201eGott, du hast den Wunsch des kleinen Samuel erh\u00f6rt. Das ist mir ein Zeichen, dass du auch mein gro\u00dfes Verlangen stillen wirst. Entt\u00e4usche mich nicht, denn ich vertraue auf dich.\u201c<\/p>\n<h4><em>Der wachsame Samuel<br \/>\n<\/em><\/h4>\n<p>Samuel war der J\u00fcngste in seiner Familie. Die \u00e4lteren Br\u00fcder waren schon aus dem Haus und lernten ein Handwerk. Er w\u00fcnschte sich, ein Hirte zu werden. Denn der Samuel, nach dem er seinen Namen hatte, war auch ein Hirtenbub gewesen, bevor er ein gro\u00dfer Prophet wurde. Er kannte und liebte diese Geschichte.<br \/>\nJedes Jahr fragte Onkel Augustin, ob Samuel ihn dieses Jahr zum Schafe h\u00fcten begleiten k\u00f6nne. Und immer wieder wurde er von Samuels Mutter vertr\u00f6stet, denn sie hatte Sorge um ihren J\u00fcngsten. Das lag besonders daran, dass Samuel es nicht lassen konnte \u00fcberall hinaufzuklettern und auf allem herumzuturnen. Ihm fielen immer neue waghalsige Kletterabenteuer ein. Doch als Samuel neun Jahre alt wurde, erlaubte sie es ihm endlich.<\/p>\n<p>Freudig und neugierig zog Samuel mit seinem Onkel los. Doch schon der erste Arbeitstag begann ihn zu langweilen. Die Felsen und Kl\u00fcfte lockten die Schafe n\u00e4mlich \u00fcberhaupt nicht. Friedlich grasten sie auf der Wiese und auch wenn Samuel ihnen mit gutem Beispiel voranging und zu den w\u00fcrzigen Kr\u00e4utern emporkraxelte, kletterten sie ihm nicht nach. Weil sonst nichts passierte, begann Samuel um die ganze Herde zu rennen. Weder Onkel Augustin noch die Schafe zeigten sich beeindruckt, nur der Hund lief eine halbe Runde mit, bis ihm die Zunge aus dem Maul hing und er hechelnd zur\u00fcckblieb.<\/p>\n<p>Da begann Samuel auf einen Baum zu steigen, sich kopf\u00fcber in die \u00c4ste zu h\u00e4ngen und pfiff nach Onkel Augustin. Dieser erschrak bis ins Mark, hatte er doch der Mutter versprochen stets ein wachsames Auge auf seinen Neffen zu haben. Er eilte herbei, um ihm herunterzuhelfen. Samuel lachte nur und sprang mit einem halben Salto auf beide F\u00fc\u00dfe.<\/p>\n<p>Als die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, lagerten die Hirten am Feuer. Lang a\u00dfen sie schweigend ihr Abendessen bis der \u00e4lteste Hirte sich an den J\u00fcngsten wandte: \u201eWei\u00dft du, Samuel, ein guter Hirte muss alle seine Schafe kennen. Damit er merkt, wenn eines fehlt und wenn es einem schlecht geht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie soll ich denn meine Schafe unterscheiden k\u00f6nnen, schon gar wenn es dunkel ist wie jetzt?\u201c \u201eViel wichtiger ist, dass ein Hirte Kraft und Mut besitzt. Sieh dir mein Wolfsfell an!\u201c Da wussten die anderen Hirten welche Geschichte sie nun h\u00f6ren w\u00fcrden. Wie der starke Augustin mit seinen eigenen H\u00e4nden einen Wolf erlegt und ihm das Schaf zwischen den Z\u00e4hnen herausgezogen hatte. Zum Beweis seiner Tapferkeit hielt Augustin dann ein Wolfsfell in die H\u00f6he. \u201eAuf dem gro\u00dfen Markt in Jerusalem gibt es auch Wolfsfelle zu kaufen\u201c, neckte ein anderer Hirte.<\/p>\n<p>\u201eVielleicht macht auch der gute Hund den guten Hirten aus\u201c \u2013 Sch\u00e4fer Abel hatte eine gute Hand f\u00fcr die Hundedressur. Nur damit, dass er seinen Hund \u201eWolf\u201c rief, hatte er schon f\u00fcr einige Verwirrung gesorgt. \u201eAuf die Schnelligkeit kommt es an\u201c, meinte der Hirte Ben. \u201eGerade heute ist eins von den Jungen auf einen steilen Abhang zu gerast und ich habe es noch erwischt.\u201c \u201eW\u00fcrdest ja auch vor einem Wolf davonrennen\u201c, brummte Augustin.<\/p>\n<p>\u201eIch finde die Wachsamkeit am wichtigsten, sonst verpasst man ja den entscheidenden Augenblick\u201c, erklang nun Samuels helle Stimme.<br \/>\nDabei dachte er an die Geschichte vom Propheten Samuel, der als kleiner Junge dreimal von der Stimme Gottes geweckt wurde. \u201eSogar beim Schlafen muss man noch wachsam sein, weil\u2026\u201c Mitten im Satz sank Samuel auf die Seite, kuschelte seinen Kopf in Onkel Augustins Wolfsfell und schlief.<\/p>\n<p>\u201eDen weckt heute Nacht nichts mehr auf\u201c, meinte Abel. \u201eNein, wirklich nicht. So wie er den ganze Tag auf den Wiesen und B\u00e4umen herumgeturnt ist.\u201c<br \/>\n\u201eVielleicht hast du dem Kleinen ja Angst gemacht mit deiner Wolfsgeschichte und er hat an dem Baum die Flucht ge\u00fcbt?\u201c Halb aus dem Schlaf heraus wollte Samuel sich noch wehren. Er war doch kein Feigling und au\u00dfer Gott f\u00fcrchtete er niemanden. Wenn ihn einmal dessen Stimme wecken w\u00fcrde, er w\u00fcrde aufspringen und rufen \u201eHier bin ich! Rede Herr, dein Diener h\u00f6rt.\u201c Dazu hie\u00df er ja schlie\u00dflich Samuel.<\/p>\n<p>Als das Feuer heruntergebrannt war, schliefen alle. Die Hirten hatten zwar die Nachtschichten untereinander verteilt, aber oft nahmen sie es nicht so genau damit, trauten ihren Hunden und dem bis in den Schlaf hinein gut geschulten Geh\u00f6r. Der Himmel war klar, kein Gewitter stand in der Luft und von herumtreibenden Diebesbanden hatte man in dieser Gegend l\u00e4nger nichts geh\u00f6rt. Sie f\u00fchlten sich sicher.<br \/>\nNein, die Hirten erwarteten nichts Besonderes in dieser Nacht.<\/p>\n<p>Es war Samuel, der als erster v\u00f6llig klar im Kopf und mit beiden F\u00fc\u00dfen auf dem Boden stand. Ihn hatte ein gro\u00dfes Licht geweckt und Samuel sprach, wie er es sich im innersten seines Herzens vorgenommen hatte: \u201eHier bin ich!\u201c<\/p>\n<p>Dabei fuhr ihm der Schreck in die Glieder und er r\u00fcttelte Onkel Augustin wach. Sofort griff Onkel Augustin seinen Hirtenstab und wollte aufspringen. Vom Licht geblendet blickten sie in die H\u00f6he und sie h\u00f6rten die Stimme des Engels:<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcrchtet euch nicht, denn siehe, ich verk\u00fcnde euch eine gro\u00dfe Freude, die dem ganzen Volke zuteilwerden wird. Denn heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren, der Messias, der Herr. Dies soll euch das Zeichen sein: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.\u201c<\/p>\n<p>Sogleich rannte Samuel los. Aber seltsam, obwohl Samuel die Gegend kaum kannte, trugen ihn seine F\u00fc\u00dfe wie im Sturm hinunter nach Bethlehem. Fast flog er wie gezogen dahin, denn etwas in seinem Herzen sagte ihm, dass es Gott war, der rief. Gott \u2013 geboren als Kind. Ganz wirklich und ganz nah.<\/p>\n<h4><em>Der schlafende Hirte Thomas<\/em><\/h4>\n<p><em>Eine Krippengeschichte zusammengef\u00fcgt aus Aufs\u00e4tzen von Zweitkl\u00e4sslern.<\/em><\/p>\n<p>Auf einem Berg weideten die Schafe. Das beliebteste Schaf war Adele und der Sch\u00e4ferhund. Adele war sehr beweglich. Es konnte Purzelbaum und vieles mehr. Nat\u00fcrlich gab es auch andere Schafe.<\/p>\n<p>Einer der Hirten hie\u00df Thomas. Er hatte rote Backen und braune Haare. Und einen gr\u00fcnen Pullover und eine braune Hose.<\/p>\n<p>Die Nacht brach herein und alle Hirten sa\u00dfen am Feuer und die Flamme wurde immer kleiner. Sie erz\u00e4hlten sich Geschichten.<\/p>\n<p>Onkel Augustin erz\u00e4hlte vom Wolf und vom Schaf und wie er das Schaf aus dem Wolf gezogen hatte. Dann kam Samuel an die Reihe und erz\u00e4hlte von der Wachsamkeit. Sie haben eine Brotzeit mit Apfel gegessen. \u201eThomas, kannst du mir noch ein Lied auf deiner Hirtenfl\u00f6te vorspielen?\u201c fragte Samuel mitten hinein. \u201eNa gut, ich spiele dir noch eines.\u201c Dann sind sie alle eingeschlafen. Alle schliefen tief und fest. Auch die Schafe schliefen.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich kam ein Engel. Samuel schnellte sofort hoch uns sah den Engel. Der sprach: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht! Ich verk\u00fcnde euch eine gro\u00dfe Freude. In dieser Nacht ist der Retter geboren, das Jesuskind.\u201c Er weckte alle anderen au\u00dfer Thomas. Da sprangen alle Hirten hoch.<\/p>\n<p>Thomas hatte einen guten Traum. Die Hirten wollten Thomas aufwecken. Aber er schlief und schlief weiter. \u201eDann m\u00fcssen wir ohne ihn gehen,\u201c sagten sie zueinander. Sie holten die Schafe und gingen los.<br \/>\nDann h\u00f6rte Thomas das Schnarchen von Onkel Augustin nicht mehr und er wachte auf. Er wunderte sich, wo die anderen waren. Er suchte sie \u00fcberall. Aber er fand sie nicht Da begann er zu weinen.<\/p>\n<p>Da kam der Engel ein zweites Mal und sprach: \u201eF\u00fcrchte dich nicht. Deine Freunde sind an der Krippe: Du musst dem Stern folgen bis du da hinkommst.\u201c Thomas begann den Stern zu suchen.<\/p>\n<p>Da gelangte er an ein ganz gro\u00dfes Feld. Da ist eine gro\u00dfe Kuh. Da musste er vorbei. Er stieg auf einen hohen Berg.<\/p>\n<p>Da sah er den Stern und eine Karawane.<\/p>\n<p>Wir sind drei Sterndeuter. Wir hei\u00dfen Caspar, Melchior und Balthasar. Und wie hei\u00dft du?\u201c \u201eIch hei\u00dfe Thomas.\u201c \u201eUnd wieso bist du so traurig?\u201c \u201eMeine Freunde sind weg.\u201c \u201eDann such sie.\u201c \u201eDas habe ich doch.\u201c<br \/>\n\u201eGehen wir doch zusammen. Wir sind schon bei einer sch\u00f6nen Stadt vorbeigekommen. Da dachten wir, hier werden wir das Christuskind finden. Aber der Stern f\u00fchrte uns weiter.\u201c<\/p>\n<p>Da kamen ihnen die Hirten entgegen. \u201eWo wart ihr denn?\u201c, fragte Thomas.\u201eWir waren beim Christuskind.\u201c \u201eDas glaube ich euch nicht.\u201c \u201eDann gehen wir zusammen noch einmal hin.<\/p>\n<p>Und dann blieb der Stern stehen \u00fcber einer H\u00fctte. Sie gingen hinein.<\/p>\n<p>Das Jesuskind sa\u00df auf Heu und auf Stroh. Thomas hatte das Wunder miterlebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Samuel vom Verlangen gepackt wird Samuel war ein kleiner j\u00fcdischer Bub. Er war der j\u00fcngste in seiner Familie. 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