{"id":2870,"date":"2015-10-18T14:10:07","date_gmt":"2015-10-18T13:10:07","guid":{"rendered":"http:\/\/luise-marcks.de\/?p=2870"},"modified":"2017-12-04T13:39:48","modified_gmt":"2017-12-04T12:39:48","slug":"der-dritte-koenig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/luise-marcks.de\/?p=2870","title":{"rendered":"Der dritte K\u00f6nig"},"content":{"rendered":"<p>Die Krippe ist ein Ort, an dem sich Menschen aller Zeiten sammeln. An dieser Krippe tr\u00e4gt der dritte K\u00f6nig ein wei\u00dfes Gewand und rote Schuhe. Er hat ein altes Gesicht, in dem man Falten und Risse sieht: Papst Johannes Paul II. So sah er etwa aus, als er gestorben ist.<\/p>\n<p>Der Papst hat das Amt, Stellvertreter Christi auf Erden zu sein und die Kirche zu leiten. Er lebt in Rom, wo die Apostel Petrus und Paulus begraben sind. Er ist vor allem f\u00fcr die Einheit der Kirche in der ganzen Welt zust\u00e4ndig. Das ist eine sehr gro\u00dfe Aufgabe, die niemand alleine tragen kann. Und trotzdem ist der Papst die Person, die f\u00fcr diese Aufgabe steht.<\/p>\n<p>Das Kind in der Krippe hat ja auch, so klein wie es ist, die ganze Welt erl\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Papst Johannes Paul II. wurde nicht schon als Papst geboren, sondern als ganz normaler Junge. Karol nannten ihn die Eltern. Sein gro\u00dfer Bruder war sehr viel \u00e4lter. Also war er der Kleine. Als Karol neun Jahre alt war, starb seine Mutter.<\/p>\n<p>Sein Bruder war inzwischen Arzt und ging schon arbeiten. Also lebte er allein mit seinem Vater. Der ging oft mit seinem Sohn an einen Ort zum Beten, an dem Maria besonders geehrt wird. Sie gingen zu Fu\u00df und Karol liebte diese Wege mit seinem Vater. Und er mochte Maria. Da seine Mutter gestorben war, war die Mutter Gottes doch in besonderer Weise f\u00fcr ihn zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Karol war ein flei\u00dfiger Sch\u00fcler. Er lernte gerne, besonders Geschichte. Aber nach der Schule wurde zuerst einmal Fu\u00dfball gespielt. Oft spielten die j\u00fcdischen Kinder gegen die christlichen Kinder. Aber in der j\u00fcdischen Mannschaft waren oft zu wenig Spieler. Da hat Karol einfach die Mannschaft gewechselt. Auch wenn die j\u00fcdischen Kinder weniger galten. Das war mutig. Und vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass Karol einen j\u00fcdischen Jungen zum Freund hatte.<\/p>\n<p>Ein Freund, mit dem man \u00fcber alles reden kann ist eine Hilfe, mehr zu verstehen. Karol konnte verstehen, dass er und sein Freund an den gleichen Gott glaubten. Nur mit Maria und Jesus konnte sein Freund nichts anfangen. Und Karol musste zugeben, dass es schwer zu erkl\u00e4ren ist, warum er glaubte, dass dieses Kind in der Krippe die ganze Welt erl\u00f6st hat.<\/p>\n<p>Vor allem, weil so viel zu sehen war, was nicht gut war. Aber gute Freunde wollten sie einander trotzdem sein.<\/p>\n<p>Als Karol ein junger Mann war, wollte er Schauspieler werden. Er mochte die Kunst. Und er hatte Talent f\u00fcr Sprachen. Aber es war Krieg. Unser Land hat Polen \u00fcberfallen. Jetzt wurden die Juden nicht nur verachtet sondern verfolgt, eingesperrt und umgebracht. Und alle jungen polnischen M\u00e4nner mussten f\u00fcr die Deutschen arbeiten. Karol arbeitete in einem Bergwerk. Er hat gut \u00fcberlegt, was man tun kann, wenn man in einer Zeit lebt, die so voll Gewalt ist. \u201eWenn ich auch Gewalt \u00fcbe, dann wird es noch schlimmer. Aber wenn ich meine Zeit ganz gut nutze und so einsetze, dass es Gott gef\u00e4llt, dann hat niemand au\u00dfer Gott Macht \u00fcber mich.\u201c<\/p>\n<p>Damals geh\u00f6rte Karol zu einer Jugendgruppe mit 15 anderen Jungen und sie haben es richtig ge\u00fcbt, ihre Zeit gut zu nutzen. Sicher hat ihm das sp\u00e4ter geholfen, als er Papst wurde.<\/p>\n<p>Wenn ein neuer Papst gew\u00e4hlt wird, sind die Menschen nicht nur sehr gespannt, wer es wird, sondern auch, was er als erstes sagen wird. Johannes Paul II. hat als erstes gesagt: \u201eHabt keine Angst.\u201c Er hat es auf Italienisch gesagt \u201eNon avete paura.\u201c<\/p>\n<p>Ob er daran gedacht hat, dass genau diese Worte die Engel den Hirten auf dem Feld gesagt haben?<\/p>\n<p>Der Papst ist Stellvertreter Christi. Er hat sich erinnert, dass Jesus gesagt hat: \u201eLasst die Kinder zu mir kommen.\u201c Darum hat er bald nach seiner Wahl die Kinder eingeladen. Sie sollten das Christkind aus ihrer Krippe mitbringen. Und er, der Stellvertreter Christi w\u00fcrde sie segnen. Da sind die italienischen Mamas wohl auf den Dachboden gestiegen und haben nach der Weihnachtskiste gesucht. Und vielleicht durften dann die frischgeweihten Christkinder bei den Kindern bleiben bis zum Fest.<\/p>\n<p>In Polen, dem Land, aus dem der Papst kam, regierten inzwischen Menschen, die die Welt ohne Gott heil machen wollten. Aus eigener Kraft. Alles sollte allen geh\u00f6ren. Das klingt gut. Aber wer k\u00fcmmert sich, wenn etwas kaputt geht? Und wer sorgt daf\u00fcr, dass wirklich gerecht verteilt wird? Es ist den meisten Menschen nicht gut gegangen mit dieser Lebensweise. Vor allem hatten die Menschen keine Freiheit.<br \/>\nOb Karol, der inzwischen Papst Johannes Paul II. war, ihnen helfen k\u00f6nnte? &#8211; Wenigstens konnte er ihre Not verstehen.<\/p>\n<p>Der Papst hat dann etwas gemacht, was vor ihm noch kein Papst gemacht hat. Er ist gereist. In viele verschiedene L\u00e4nder. Da war es gut, dass er so gerne fremde Sprachen lernte, denn dann konnte er alle Menschen in ihrer Sprache begr\u00fc\u00dfen. In Polen war das einfach. Das war seine Muttersprache.<\/p>\n<p>In viele L\u00e4nder und Kontinente ist er gereist. Und immer ist er kr\u00e4ftig und strahlend aus dem Flugzeug oder dem Hubschrauber gestiegen. Den Stab mit dem Kreuz hat er den wartenden Menschen entgegengehalten wie ein Siegeszeichen.<\/p>\n<p>Auch nach Polen ist er gereist. Und damit hat er in seinem Land den Glauben gest\u00e4rkt. So sehr, dass die M\u00e4chtigen Angst bekommen haben. Sie wollten doch beweisen, dass man die Welt ohne Gott erl\u00f6sen kann.<\/p>\n<p>Er war gerade mal drei Jahre Papst, da haben Leute jemanden bezahlt, damit er den Papst erschie\u00dfen sollte. Fast w\u00e4re es gelungen. Aber, wie er dann selber sagte: \u201eJemand hat die Kugel umgelenkt.\u201c Johannes Paul II. hat geglaubt, dass Maria ihn beh\u00fctet hat. Sein Herz war ganz dankbar daf\u00fcr, dass ihm noch einmal Zeit zum Leben geschenkt worden ist.<\/p>\n<p>So gerne wollte er die Kirche ins n\u00e4chste Jahrtausend f\u00fchren.<\/p>\n<p>Er hat die Kugel, die ihm den Tod bringen sollte f\u00fcr die Krone einer Marienfigur verwendet. Und in seinem Herzen hat er gesagt: \u201eIch bin ganz dein.\u201c Das war auch sein Wahlspruch.<\/p>\n<p>Als Papst hatte er sein Leben schon in den Dienst der Kirche gestellt. Da hatte er im Gebet den Gedanken, dass er Maria auch sein Sterben zum Geschenk machen k\u00f6nnte. Auch seinen innigen Wunsch die Kirche ins n\u00e4chste Jahrtausend zu f\u00fchren, wollte er in ihre Hand legen.<\/p>\n<p>Er durfte noch lange leben und die Kirche ins n\u00e4chste Jahrtausend f\u00fchren. Das hatte er sich so sehr gew\u00fcnscht. Das war die Gelegenheit f\u00fcr ein gro\u00dfes Fest. Doch als der Termin n\u00e4her kam, stand nicht mehr das Fest im Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Der Papst dachte \u00fcber Vieles nach: An den langen Weg der Kirche in 2000 Jahren. Er dachte an Maria. Welche Zeiten sie wohl gefreut hatten? War es nicht wunderbar, dass es kaum noch einen Winkel in der Welt gab, wo man von der Geburt des Gottessohnes noch nicht geh\u00f6rt hatte?<br \/>\nAls er an den langen Weg der Kirche dachte seit Gott durch das Kind in der Krippe den Menschen ganz nahe kam, war er ganz betroffen davon, wie viel Schlechtes trotzdem in dieser Zeit geschehen war. Und wie viel auch Christen zu diesem Schlechten beigetragen hatten. Weil der Mensch frei ist kann er sich auch entscheiden, das B\u00f6se zu tun. \u2013 Das wusste der Papst schon immer.<\/p>\n<p>Aber jetzt dachte er besonders an die Kirche. An alle Menschen, die an Christus glaubten. In diesem Moment hat er sich nicht so sehr als Stellvertreter Christi gef\u00fchlt, sondern als Teil dieser Kirche. Da hat er geweint und sich ganz klein gemacht. Und er hat um Vergebung gebeten. Das war in Jerusalem. Dort wo die Juden beten. Ganz nah bei Bethlehem.<\/p>\n<p>Nun war er also fast dort, bei der Krippe. Aber es lag noch ein St\u00fcck Weg vor ihm. Sein Sterben, das er Maria schenken wollte. Der kr\u00e4ftige, der \u201eStarke Papst\u201c, wurde krank. Seine H\u00e4nde zitterten und er konnte nicht mehr gut stehen und nur mit M\u00fche reden. Seine Ratgeber fanden, er sollte sich ausruhen. Aber der Papst wollte sich unbedingt mit jungen Leuten treffen. So wie er damals die Kinder eingeladen hatte, wollte er jetzt Jugendliche treffen.<br \/>\nNiemand fand, dass das eine gute Idee ist. Aber dann haben sie die Jugendlichen doch eingeladen, obwohl sie dachten: Wer wird schon wegen diesem alten kranken Mann eine Reise machen.<\/p>\n<p>Nun hielt Johannes Paul II. sich an seinem Stab mit dem Kreuz mit seinen letzten Kr\u00e4ften fest. Er konnte fast nichts mehr tun. Aber er konnte darauf vertrauen, dass Gott durch ihn etwas wirken konnte. Manchmal musste er mit dem Rollstuhl geschoben werden. Jeder konnte im Fernsehen sehen, dass er kaum noch die Hand heben konnte, um die Jugendlichen zu segnen.<br \/>\nDa ist etwas ganz Seltsames geschehen. Pl\u00f6tzlich konnten die jungen Leute sehen, dass nicht der m\u00e4chtigste Mann der Kirche sie besucht. Sondern der Stellvertreter Christi. Ein Funke des Verstehens z\u00fcndete zwischen diesen Jugendlichen und diesem alten Papst. Ein Funke der Liebe.<\/p>\n<p>Das war das Geschenk, das der dritte K\u00f6nig Maria und ihrem Kind mit seinem Sterben gebracht hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Krippe ist ein Ort, an dem sich Menschen aller Zeiten sammeln. An dieser Krippe tr\u00e4gt der dritte K\u00f6nig ein wei\u00dfes Gewand und rote Schuhe. Er hat ein altes Gesicht, in dem man Falten und Risse sieht: Papst Johannes Paul II. So sah er etwa aus, als er gestorben ist. 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