{"id":2876,"date":"2015-10-15T16:36:15","date_gmt":"2015-10-15T15:36:15","guid":{"rendered":"http:\/\/luise-marcks.de\/?p=2876"},"modified":"2015-10-29T17:38:29","modified_gmt":"2015-10-29T16:38:29","slug":"wie-die-heilige-dorothee-zur-krippe-kam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/luise-marcks.de\/?p=2876","title":{"rendered":"Wie die Heilige Dorothee zur Krippe kam"},"content":{"rendered":"<h4><em>\u00a0<\/em>Eine erweiterte Auslegung der Legende der Heiligen Dorothee<\/h4>\n<p>Von ihren Eltern sehns\u00fcchtig erwartet wurde Dorothee im Jahr 290 in C\u00e4sarea geboren. Ihr christlicher Vater Dorus war Senator in einer Provinz des r\u00f6mischen Reiches.<\/p>\n<p>Da dem r\u00f6mischen Kaiser Diokletian die Christen wie ein stechender Dorn im Auge waren, konnte Senator Dorus in seiner hohen Stellung nur im Verborgenen Christ sein.<br \/>\nDennoch hatte er seine Tochter gleich nach der Geburt taufen lassen. Und seine Frau, die auch Christin war, unterwies sie im christlichen Glauben. Als Dorothee \u00e4lter wurde, durfte sie die Mutter auch zu den Armen in der Stadt begleiten, wenn sie ihnen Nahrung und Medikamente brachte.<\/p>\n<p>Die Armen hatten trotz ihrer Armut auch einen gro\u00dfen Reichtum. Es waren ihre vielen Kinder.<\/p>\n<p>Wenn Dorothee mit ihrer Mutter unterwegs war, begegneten ihnen fast immer viele M\u00fctter mit ihren S\u00e4uglingen. Und bei deren Anblick h\u00fcpfte das Herz der kleinen Dorothee vor Freude und das Blut schoss ihr in die Finger.<\/p>\n<p>Eines Tages erz\u00e4hlte ihr die Mutter, dass sie Gott lange Zeit um ein Kind angefleht hatte. Darum habe sie ihr den Tauf-Namen \u201eDorothea\u201c \u2013 \u201eGottesgeschenk\u201c gegeben. \u201eDu bist ja auch ein echtes Gottesgeschenk!\u201c sagte sie.<br \/>\nWenn ich ein Geschenk bin, so will ich auch ein Geschenk sein, dachte Dorothee. Und fortan machte sie es sich zur Aufgabe f\u00fcr die ganz Kleinen Geschenke mitzubringen \u2013 eine Feder, einen glitzernden Stein und was sich sonst so alles fand. Und wenn sie gar nichts auftreiben konnte, nahm sie ihre Fl\u00f6te mit und spielte eine heitere Melodie.<\/p>\n<p>Und wenn sie in die kleinen Gesichter schaute, sah sie in all den Kindern nicht nur Menschenkinder, sondern Gottesgeschenke. Es schien ihr, dass diese ganz Kleinen wohl direkt aus dem Paradies k\u00e4men. Und sie verstand wohl, warum gerade die Armen so reich beschenkt wurden.<\/p>\n<p>Ihre Mutter erz\u00e4hlte ihr viele Geschichten von Jesus Christus und seinen J\u00fcngern. Sie nannte diese \u201eEvangelium \u2013 frohe Botschaft\u201c. Dorothee h\u00f6rte von der frohen Botschaft f\u00fcr die Armen, sie erfuhr, wie Jesus kranke Menschen heilte, wie er Gleichnisse erz\u00e4hlte, die vom Himmelreich handelten.<\/p>\n<p>Aber wenn sie alleine war und an all dies dachte, so war es Jesus selbst, der ihr besonders nahe war. Der Herr der J\u00fcnger, der am Kreuz endete. Ihr schien, als l\u00e4ge darin auch eine Wahrheit \u00fcber ihr eigenes Leben. Aber dieses Gef\u00fchl konnte sie nicht recht verstehen. Was sollte ihr schon widerfahren k\u00f6nnen? \u201eGib mir ein Wort, an das ich mich halten kann, wenn ich gepr\u00fcft werde\u201c, betete sie oft. Und als sie Antwort bekam, blieb ihr diese verschlossen. \u201eDu bist schon gebunden.\u201c, das war es, was sie vernahm. Und weil sie ein gro\u00dfes Herz hatte, verwahrte sie diese Worte dort und dachte bei sich: \u201eEs wird mir schon zur rechten Zeit gezeigt werden, was diese Worte bedeuten.\u201c<\/p>\n<p>Als ihre Mutter eines Abends von der \u201eGeburt des Herrn\u201c erz\u00e4hlte und von jenen Geschenken, die die Weisen dem Kinde brachten, sprach Dorothee ganz traumverloren: \u201eIch w\u00fcrde dem Kindlein das Bett mit Rosen schm\u00fccken. Und seiner Mutter br\u00e4chte ich \u00c4pfel aus dem Paradies.<\/p>\n<p>Und den Korb w\u00fcrde ich dem Josef geben, dass er alles f\u00fcr die Flucht hineinpacken k\u00f6nnte.\u201c So fest stellte sie sich all das vor, dass sie meinte, es sei schon geschehen.<\/p>\n<p>Die Familie des Senators Dorus lebte sehr zur\u00fcckgezogen. Sie hatte nur wenige Dienstboten. Und zur Verwunderung der Nachbarn keine Sklaven. Da war es schon eine gro\u00dfe Herausforderung, als sich Fabrizius der Statthalter der Provinz, zu einem Besuch anmeldete.<\/p>\n<p>\u201eWenn dieser Abend nur schon vor\u00fcber w\u00e4re\u201c, h\u00f6rte Dorothee ihre Mutter seufzen. \u201eWir haben so gar nichts Besonderes zu bieten, was diesem hohen Herrn Eindruck machen k\u00f6nnte.\u201c<br \/>\n\u201eIch kann ihm ja auf der Fl\u00f6te vorspielen\u201c, versuchte Dorothee ihre Mutter zu tr\u00f6sten. Und dieser Vorschlag kam in so kindlicher Arglosigkeit aus ihrem Munde, dass die Mutter es ihr nicht abschlagen mochte.<\/p>\n<p>Fabrizius war jung und neu in seinem Amt. Er wollte die Senatoren in seiner Provinz kennen lernen. Und au\u00dferdem war er sehr besch\u00e4ftigt mit der Frage, wen er standesgem\u00e4\u00df heiraten k\u00f6nne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als er nun dieses M\u00e4dchen mit der Fl\u00f6te sah, begehrte er es so sehr, dass er es am liebsten gleich mitnehmen wollte. Die Eltern w\u00fcrden sich durch eine Heirat bestimmt geehrt f\u00fchlen, meinte er. \u201eDiese zarte Rose will ich pfl\u00fccken\u201c, schoss es ihm durch den Kopf und er ging zielstrebig auf das M\u00e4dchen zu.<\/p>\n<p>Ernst h\u00f6rte sie ihm zu. Dann schwieg sie eine Weile und lauschte in sich hinein. Sie sah ihm direkt in die Augen und gab ihm die merkw\u00fcrdige Antwort: \u201eIch bin schon gebunden.\u201c<br \/>\nDas wollte Fabrizius nicht glauben. \u201eWo ist er denn, dein Br\u00e4utigam?\u201c Und er sah das M\u00e4dchen err\u00f6ten. Wieder schwieg sie \u2013 dem ungeduldigen Fabrizius schien es eine Ewigkeit lang. Dann antwortete sie fest: \u201eF\u00fcr deine Augen ist er unsichtbar, doch er ist immer bei mir.\u201c<\/p>\n<p>Da geriet Fabrizius in Wut. Er begriff schnell, dass dieser unsichtbare Nebenbuhler der Christengott war. Und einen Unsichtbaren kann man schwerlich beiseite schaffen.<br \/>\n\u201eDu musst von diesem t\u00f6richten Glauben lassen\u201c, drohte er dem M\u00e4dchen: \u201eDu kannst als meine Frau reich und gl\u00fccklich leben. Der Stolz deiner Eltern wirst du sein, wenn du diesem Gott abschw\u00f6rst.\u201c<\/p>\n<p>Dorothee blieb standhaft und wiederholte nur: \u201eIch bin schon gebunden.\u201c Und zu ihren Eltern sprach sie: \u201eNun bin ich wohl ein Geschenk Gottes f\u00fcr euch gewesen, und ich bitte euch, dass ich Gott sein Geschenk wieder unversehrt zur\u00fcckbringen darf.\u201c Unter Tr\u00e4nen nickten ihr die Eltern zu.<\/p>\n<p>Da fiel Fabrizius kein anderes Mittel ein als Gewalt. Er lie\u00df das M\u00e4dchen schlagen und foltern. Und als Dorothee bei ihrer Antwort blieb, ordnete er eine \u00f6ffentliche Hinrichtung an.<\/p>\n<p>Er konnte ihre Standhaftigkeit nicht begreifen. Schon lange hatte er sich gewundert, was Kaiser Diokletian gegen die Christen hatte, die doch ordentlich und widerstandslos ihre Steuern bezahlten. Jetzt war ihm klar, dass auch er, der Kaiser, es nicht ertragen konnte, dass er die oberste Macht \u00fcber sie nicht hatte.<\/p>\n<p>Fabrizius wollte Dorothee verh\u00f6hnen. Er wollte sich stark f\u00fchlen durch seinen Spott. So rief er laut ihre letzten Worte in die Menge: \u201eH\u00f6rt was diese M\u00e4dchen f\u00fcr einen Unsinn redet: Sie gehe in ein anderes Land. Dort werde es niemals kalt.\u201c Einer von den Zuschauern, ein Schreiber \u2013 sein Name war Theophilus -, griff den Spott auf: \u201eDa kannst du mir ja von dort Rosen schicken.\u201c<\/p>\n<p>Doch Dorothee h\u00f6rte nicht den Spott: \u201eRosen aus dem Paradies will ich dem Kind in der Krippe bringen.\u201c \u2013 Mit diesem zuversichtlichen Gedanken neigte sie ihren Kopf vor dem Henker.<\/p>\n<p>Und da stan<a href=\"http:\/\/luise-marcks.de\/?attachment_id=2848\" rel=\"attachment wp-att-2848\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-2848\" src=\"http:\/\/luise-marcks.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/DSC_2232-222x252.jpg\" alt=\"DSC_2232\" width=\"372\" height=\"423\" \/><\/a>d sie nun mit ihrem Korb. Ohne zu z\u00f6gern ging sie auf Maria zu, ihr die Gaben zu bringen. Es war f\u00fcr sie wie ein nach Hause Kommen, und sie wunderte sich gar nicht, sondern sie freute sich nur, nun endlich an diesem Ort sein zu d\u00fcrfen, wo Himmel und Erde f\u00fcr immer miteinander verbunden sind.<\/p>\n<p>Maria sprach: \u201eDein Leben ist das Geschenk. Denn dein gerader Weg, den du so lauter bis zu Ende gegangen bist, ist ein Zeugnis f\u00fcr dieses Kind. Gib den Korb mit den Rosen einem der Hirtenknaben. Er mag ihn Theophilus bringen, damit auch er glaubt, dass es ein Land gibt, in dem es niemals kalt wird.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Eine erweiterte Auslegung der Legende der Heiligen Dorothee Von ihren Eltern sehns\u00fcchtig erwartet wurde Dorothee im Jahr 290 in C\u00e4sarea geboren. Ihr christlicher Vater Dorus war Senator in einer Provinz des r\u00f6mischen Reiches. 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