{"id":473,"date":"2013-05-29T14:54:33","date_gmt":"2013-05-29T12:54:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.martinaminges.eu\/luiseMarcks\/?p=473"},"modified":"2015-02-22T22:53:28","modified_gmt":"2015-02-22T21:53:28","slug":"neuer-glaubensstatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/luise-marcks.de\/?p=473","title":{"rendered":"Neuer Glaubenssatz"},"content":{"rendered":"<p>Als Kind h\u00f6rte ich gelegentlich \u00fcber mich sagen, ich sei sprachbegabt. Ein Eindruck den ich nicht teilte, da ich oft sehr lange nachdenken mu\u00dfte, um ganz einfache S\u00e4tze zu entschl\u00fcsseln. \u00dcberall lauerte Doppelsinn. Dann hie\u00df es wieder, dass etwas nicht so gemeint sei &#8211; eine sehr verunsichernde Aussage.<br \/>\nVielleicht war ich es ja doch? Musikalische Kinder leiden an schr\u00e4gen T\u00f6nen, sprachbegabte an unredlichen S\u00e4tzen. Vor allem an Spr\u00fcchen litt ich oft. Sie kamen mit dem Anspruch auf Wahrheit daher. Mein Vater relativierte zwar: &#8222;Etwas wird nicht wahrer, weil man es immer wieder sagt.&#8220; Aber auch diesen Satz konnte ich so nicht stehen lassen. Ganz tief in meinem Inneren wu\u00dfte ich n\u00e4mlich, dass man das Wort &#8222;wahr&#8220; gar nicht steigern kann. Gut, es gibt Halbl\u00fcgen. Aber das sind trotzdem L\u00fcgen.<br \/>\nEiner meiner Onkel klopfte gerne Spr\u00fcche. M\u00fc\u00dfte es nicht hei\u00dfen, er klopfte andere gerne mit Spr\u00fcchen? Er galt nicht als sehr christlich, da er keine Kinder in diese Welt setzen wollte. Eine in jeder Hinsicht unlogische Schlu\u00dffolgerung. Waren nicht die ersten Christen daf\u00fcr gelobt worden, dass sie die Kinder, die in die Welt gesetzt wurden aufgezogen haben? Und heute gab es nicht einmal mehr W\u00f6lfe, die sich eventuell eines solchen Kindes annehmen konnten.<br \/>\nVon diesem Onkel habe ich den sch\u00f6nen Satz geh\u00f6rt: &#8222;Es gibt nichts umsonst auf der Welt, au\u00dfer den Tod, und der kostet das Leben.&#8220; Zuerst habe ich ihn gar nicht verstanden. Es gibt doch so vieles, was nichts kostet. Aber manchmal wird &#8222;umsonst&#8220; auch im Sinn von &#8222;vergeblich&#8220; gebraucht. &#8222;Es gibt nichts vergeblich auf der Welt, au\u00dfer den Tod.&#8220; Das konnte ich gut begreifen, hatte doch Gott selbst seine Sch\u00f6pfung als gut bezeichnet.<\/p>\n<p>Es hat fast bis zu meiner Kommunion gedauert, bis ich die zweite H\u00e4lfte verstanden hatte. Nat\u00fcrlich wu\u00dfte ich, dass mit &#8222;kosten&#8220; in diesem Fall kein Geldgesch\u00e4ft gemeint sein kann. Sonst kannte ich aber nur das &#8222;kosten&#8220; vom Probieren von Speisen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie man das Leben essen soll.<br \/>\nDann habe ich einmal in der Kirche geh\u00f6rt: &#8222;Kostet und seht, wie gut der Herr ist.&#8220; Das war der gesuchte Schl\u00fcssel. Der Herr war ja das Leben.<\/p>\n<p>Also war der Tod vergeblich, weil in ihm eine ewige Kommunion mit dem Leben stattfand.<br \/>\nEin Tod, der das Leben kostet, war ja vergeblich, weil er nur ein \u00dcbergang war zu neuem Leben.<\/p>\n<p>Vielleicht hat sich mein Vater nur darum \u00fcber meinen Onkel ge\u00e4rgert, weil\u00a0gerade dem\u00a0dieser wundersch\u00f6ne neue Glaubenssatz eingefallen ist? Ich jedenfalls freute mich auf meine erste Kommunion. Und auf meine ewige Kommunion.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Kind h\u00f6rte ich gelegentlich \u00fcber mich sagen, ich sei sprachbegabt. 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