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Luise Maria Marcks

Lyrik und Prosa

Heimliches

Unabkömmlich

Überall habe ich mich
als abkömmlich erwiesen.
Der Garten, wieder Parkplatz,
der Betrieb geschlossen
oder ohne mich weitergeführt.
Erst als ich starb – endlich –
ging meine Welt mit mir unter.
Vielleicht ein paar Wortspuren noch
in den Welten anderer?

24. Januar 2016

Weh

Im Laufe meines Lebens
entdecke ich
schmerzlich
meine Vielgliedrigkeit
erleide
gleid- und gelenkweise
dass ich mehr bin
als angenommen.
Nur mein Kopf
war mir
immer schon
weh
vertraut.

Heimliches

Ein Heim suchen – ein helles, klares Heim
ohne unheimliche Winkel,
wo Urängste lauern.
Ein Heim suchen – anklopfen, fragen:
„Nimmst du mich auf? Bist du mein Bleibeort?“

Der Koffer hat Räder.
Er fährt alleine fort.
Ich bleibe.
Hier.

15. Mai 2013

Verrückt werden

Wie wenn die Augäpfel
der Klappaugenpuppe nach Innen kippen

schwarz und hohl
das Innere meines Kopfes

bin ich noch?

2012

Nichts

Auf der Suche nach Antwort
ging die Frage verloren.
Ich irre durch die Versatzstücke meines Lebens,
dies ergreifend, jenes fallenlassend,
hierhin und dorthin
und finde

nichts!

2012

Aufgeschürft

Vorsätze verstauben
in der Zimmerecke
aufgestapelt, liegengelassen, weggeschoben.
„Ab Morgen“ – Fehler Nummer eins – „wird alles besser“:
Seit gestern hätte ich regelmäßig meine Frühgymnastik gemacht,
mich erhoben, dankbar für so viel Willensstärke und Beweglichkeit.
Erhobenen Hauptes würde ich auch solche Dinge geschafft haben wie:

Steuerjahresausgleichsformular ausfüllen,
Frauenarztvorsorgetermin ausmachen, …

Alles wäre mir, hätte ich seit gestern, ein Leichtes gewesen –

Da hab ich mir,
stolpernd über den Stapel guter Vorsätze
das Selbstbewusstsein aufgeschürft.
Lecke Wunden – sollte mal wieder Staub wischen – morgen.

27. Mai 2013

Zärtliche Eigenliebe

Du erkennst mein Begehren,
erspürst, wo ich des Lobs bedürftig,
gibst, wenn ich brauche, was ich brauche
aus eigenem mir das Meine.
Bis in die letzte Seelenfalte
bin ich von dir durchschaut.

Bin ich gekränkt – du tröstest mich.
Bin ich erzürnt – du sänftigst mich.
Hör ich Kritik – du verteidigst mich.

Dein einziger Mangel – du,
du zärtlich Eigenliebe:
Dass ich allein in dir
nicht widerlieben kann.
Nur ich und ich in mir.
Allein! Allein? Allein!

1. Mai 2015